Ärger um den Sirenenalarm der Feuerwehren in Rosbach
“Kommt gut wieder heim!”
Der Ton geht durch Mark und Bein! Es ist ein heulend
vibrierender Klang, den auch erfahrene Feuerwehrleute nicht gut ertragen können.
Die Rede ist von den Sirenen auf den Dächern öffentlicher Gebäude im Stadtgebiet
Rosbach. Durch den Verkauf des alten Feuerwehrhauses, das bisher Eigentum der
Stadt Rosbach war, musste die Sirene vom dortigen Dach entfernt werden. Eine
neue Sirene wurde jedoch auf dem Dach des Dorfgemeinschaftshauses errichtet.
Nicht wenige Anwohner hatten gehofft, dass es gar keine Sirene im
Nieder-Rosbacher Stadtteil mehr gibt.
Die Rosbacher Feuerwehr wird grundsätzlich über persönliche
Funkmelder alarmiert. Zusätzlich rufen die drei in Ober- und Nieder-Rosbach
installierten Sirenen in der Zeit von 6:00 Uhr bis 20:00 Uhr mit einem drei
Minuten dauernden dreimal an- und abschwellenden Heulton die Brandschützer zum
Einsatz.
Joachim Michalik
Aus: Florian Hessen, 1/2004 Für
das Internet bearbeitet
von Hanjo v. Wietersheim
Die Klagen über Sirenenalarme nehmen in den letzten Wochen
deutlich zu. “Das hängt natürlich mit der Arbeitsbelastung der Rosbacher
Wehrleute zusammen. Schon im September 2003 haben die beiden Rosbacher
Feuerwehren die Zahl der Einsätze vom Vorjahr übertroffen” erläutert
Stadtbrandinspektor Bernd Suffner in einem Gespräch.
Die unmittelbar vom Heulton in Mitleidenschaft gezogenen Bürger
haben schon mehrfach versucht, die Alarmierung über Sirene zu unterbinden.
“Ihr habt doch alle eure Piepser, mit denen ihr zum Einsatz gerufen werdet,”
rechtfertigt ein Anwohner seinen deutlich erkennbaren Unwillen. "Ich kann ja
verstehen, dass die Anwohner den Klang der Sirene als störend empfinden,”
äußert sich Suffner verständnisvoll. “Andererseits sind Rosbacher
Feuerwehrleute auch nur Menschen, die z.B. als Landwirte während der
Feldarbeit wegen der Verlustgefahr nicht immer den Funkmelder einstecken haben
oder die in ihrer Freizeit den Melder daheim im Ladegerät vergessen.”
Die jetzige Alarmierungsform hat bei den meisten Rosbachern
positive Folgen. Bei der Anfahrt zum Feuerwehrhaus in privaten Fahrzeugen und
bei der Abfahrt mit Einsatzfahrzeugen sind die in der Vergangenheit häufigen
Beschimpfungen drastisch zurückgegangen.
Ganz anders als die vom Heulen der Sirene
genervten Anwohner sehen die Familien der Feuerwehrleute den Sirenenalarm.
“Da beschweren sich die Mitbürger über eine Störung von drei Minuten, wo
unsere Männer selbst bei einem Fehlalarm mindestens 20 bis 30 Minuten aus dem
Haus sind,” wundert sich die Ehefrau eines langjährig tätigen
Feuerwehrmannes. Schon ein unspektakulärer Einsatz dauert durchschnittlich
zwei Stunden. Eine andere Ehefrau ergänzt:
“Die Männer und Frauen der Feuerwehr tun das doch nicht, weil es so toll ist,
schwer verletzte Menschen aus Autowracks zu schneiden oder sie aus brennenden
Häusern zu holen.”
Ein Rosbacher Feuerwehrmann ist selber Vater eines 15 Monate alten Mädchens
und weiß aus eigener Anschauung, dass die Sirene bei dem Kind für einen
kurzen Moment eine ängstliche Reaktion zur Folge hat. “Auf dem Arm der Mutter
beruhigt sich unser Kind aber ganz schnell,” sagt er lächelnd.
Joachim Michalik, Pressesprecher der Rosbacher Feuerwehr, gibt aus seiner
beruflichen Sicht als katholischer Seelsorger zu bedenken: “Natürlich dient
die Sirene erstmal der Alarmierung der Feuerwehrleute. Sie soll aber auch
alle Bürgerinnen und Bürger daran erinnern, dass es die Pflicht aller
Menschen ist, Mitmenschen in jeder bedrängenden Not beizustehen.” Die
Feuerwehr übernimmt diesen verpflichtenden Dienst der Allgemeinheit
stellvertretend, weil die Aufgaben der Feuerwehr heute eine Fülle von
Fachkenntnissen erfordern.
Seine Ehefrau Martina bringt es für sich auf den Punkt: “Ich denke bei jedem
Alarm und nicht nur bei dem durch die Sirene: Gott, lass meinen Mann gesund
wieder heimkommen. Vielleicht können die Kritiker einerseits und alle Bürger
guten Willens andererseits die Feuerwehrleute beim Sirenenalarm mit dem
Wunsch begleiten: ‚Kommt gut wieder heim!”
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