Einsatzbericht der Feuerwehrseelsorge

 

Am NN wurden die Feuerwehrseelsorger des Landkreises NN über Funkmeldeempfänger alarmiert:

„Verkehrsunfall bei N-Dorf, eine tote Person, Notfallseelsorge schon vor Ort.“

Diese Alarmierung war nicht ungewöhnlich, da im Landkreis NN öfters die Feuerwehrseelsorge alarmiert wird, um bei größeren Einsätzen die Notfallseelsorge zu unterstützen. Das besondere an diesem Einsatz war, dass die Verstorbene Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr (FF) von N-Dorf war und dass die Feuerwehrseelsorger speziell für die Betreuung der Einsatzkräfte alarmiert wurden.

 

Zum Einsatz kamen - nach telefonischer Absprache - die beiden nächstwohnenden Feuerwehrseelsorger.

 

An der Einsatzstelle wurde sehr schnell deutlich, dass die Mitglieder der FF N-Dorf durch den Tod ihrer Kameradin stark betroffen waren und dass intensive Unterstützungsmassnahmen nötig waren. In Zusammenarbeit mit dem Einsatzleiter (Kommandant der FF N-Dorf) und dem zuständigen Kreisbrandinspektor (nächsthöherer Führungsdienstgrad) wurden zur Unterstützung der FF N-Dorf die folgenden Maßnahmen ergriffen:

 

1) Nachalarmieren der Nachbarfeuerwehren, um die FF N-Dorf aus dem Einsatz herauszulösen

2) Übergabe der Einsatzleitung an den Kreisbrandinspektor

3) Gemeinsames Gebet und Verabschiedung von der Toten bei der Aussegnung

4) Einrücken der FF N-Dorf

5) Nachbesprechung und Stressinformation im Gerätehaus der FF N-Dorf

6) Angebot von Einzelgesprächen für besonders betroffene Mitglieder der FF N-Dorf

 

Das Herauslösen der kompletten örtlich zuständigen Feuerwehr aus einem Einsatz ist eine sehr gravierende Maßnahme. Sie wird nur dann ergriffen, wenn die Einsatzkräfte deutlich sichtbar über ihre Grenzen hinaus belastet sind und eine weitere Tätigkeit an der Einsatzstelle nicht zumutbar, bzw. allgemein zu gefährlich ist. In diesem Fall wurde sie ohne weiteres akzeptiert und von den Einsatzkräften als das empfunden, was sie war: eine entlastende Maßnahme.

 

Das gemeinsame Gebet und die Aussegnung der Toten findet im Landkreis NN routinemäßig bei Einsätzen mit Toten statt. In diesem Fall hatte es die zusätzliche Funktion der Verabschiedung von der verstorbenen Kameradin. Für etliche Feuerwehrleute war es der Moment, in dem sie ihre Gefühle, ihre Trauer erstmals zulassen und ausdrücken und so einen inneren Verarbeitungsprozess beginnen konnten.

 

Parallel zu diesen Aktionen kümmerten sich Notfallseelsorger um die anderen Unfallbeteiligten. Das Überbringen der Todesnachricht wurde am Geburtsort der Verstorbenen durchgeführt, da sie in N-Dorf keine weiteren Angehörigen hatte.

 

Nach dem Einrücken der FF N-Dorf trafen sich die beiden Feuerwehrseelsorger mit den Einsatzkräften im Unterrichtsraum des Gerätehauses. Es wurde eine SBE-Kurzbesprechung durchgeführt, in der die Einsatzkräfte ihre momentane Befindlichkeit ausdrücken konnten und in der Informationen über Stress und Stressbearbeitung gegeben wurden. An die Einsatzkräfte wurden Informationszettel ausgeteilt, die auch Informationen für die Angehörigen und Lebenspartner/innen enthielten. Am Schluss des Beisammenseins war Gelegenheit für Einzelgespräche und zum Abklären, ob weitere Hilfen nötig sind. Es wurde das Angebot eines SBE-Gesprächs in ca. 3 Tagen gemacht.

 

Bei Telefonaten mit dem Kommandanten der FF N-Dorf in den nächsten Tagen wurde deutlich, dass keine weiteren Unterstützungsmassnahmen nötig waren. Die Beerdigung der Verstorbenen wurde in ihrem Geburtsort vorgenommen und eine größere Abordnung der FF N-Dorf nahm daran teil.

 

Der Kommandant und der Bürgermeister von N-Dorf bedankten sich nach einiger Zeit schriftlich bei den Feuerwehrseelsorgern für die geleistete Unterstützung.

 

Für das Winterhalbjahr ist eine Schulung über Stress und Stressbearbeitung geplant.

 


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Hanjo v.Wietersheim, 01.07..2003