Saunabrand wie jeder andere?

Der dramatische Kampf um das Leben eines Feuerwehrmannes

Von Friedrich Schmid (Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Donaustauf)

Am Freitag, den 23. Januar 1998 befanden sich einige Feuerwehrkameraden zum Reinigungsdienst im Gerätehaus, als um 18.10 Uhr die Freiwillige Feuerwehr Donaustauf über Sirene in die Herderstraße 10 alarmiert wurde. Gemeldet war ein Brand in einer Sauna. Ein ganz gewöhnlicher Kellerbrand. Aufgrund der Einsatzmeldung wurde von der Berufsfeuerwehr Regensburg die Alarmstufe 1 (Freiwillige Feuerwehren Donaustauf und Sulzbach) alarmiert.

Um 18.14 Uhr rückte das Löschgruppenfahrzeug LF 16/12 vollbesetzt aus. Unter der Besatzung befanden sich vier Atemschutzgeräteträger, von denen sich zwei während der Fahrt mit Preßluftatmern ausrüsteten. Um 18.17 Uhr traf das LF 16/12 an der Einsatzstelle ein, nur unwesentlich später folgte das TSF aus Sulzbach. Auch das LF 8 und das MZF waren nur wenige Minuten später an der Einsatzstelle.

Beim Eintreffen an der Brandstelle informierte der Hausbesitzer den Gruppenführer des LF 16/12 über eine Rauchentwicklung in der im Keller installierten Sauna. Er hatte sie ca. eine halbe Stunde vorher eingeschaltet. Daß die Situation zu dieser Zeit noch keineswegs gefährlich erschien, zeigte das Verhalten der Ehefrau und der Kinder, die sich nach wie vor ohne größeres Unbehagen in der Küche aufhielten.

Der Gruppenführer ordnete an, daß sich vom LF 16/12 ein zweiter Trupp mit Preßluftatmern ausstatten sollte. Der dritte Trupp sowie die Kameraden aus Sulzbach brachten den Drucklüfter ca. 3 m vor der Haustür in Stellung, um ein Ausbreiten des Rauches beim Öffnen der Kellertür zu verhindern.

Der Angriffstrupp des LF 16/12 ging mit S-Rohr, den während der Anfahrt angelegten Preßluftatmern, mit Fangleine gesichert und mit Sprechfunkgerät FuG 10 über den Treppenraum in das Kellergeschoss von Die Atemluftflaschen waren voll gefüllt. Auf halber Höhe war auf dem Treppenabsatz eine Tür. Nach dem Öffnen der Tür konnte mit Hilfe des Drucklüfters der Treppenraum weitgehend rauchfrei gehalten werden.


Der Fitnessraum: links das Kellerfenster, in der Mitte das Rundbogenfenster,
daneben der Durchgang zur Sauna. Aufnahme: Kripo Regensburg

Orientierung nicht möglich

Der Hausbesitzer hatte angegeben, daß wir uns unten erst links und dann rechts halten sollten. Im Kellergeschoss konnten sich die Feuerwehrmänner nur kriechend bewegen. Die Hitze war sehr groß und der Rauch so dicht, daß eine Orientierung nicht möglich war. An der Decke knisterte es, als würde dort eine Holzdecke brennen. DerTrupp versuchte durch Anspritzen der Decke mit Sprühstrahl eine Verbesserung zu erzielen. Die Brandstelle wurde nicht gefunden.

Eine Sprechfunkverbindung nach draußen war von unten nicht möglich, weshalb sich der Trupp in den Treppenraum zurückzog, um dem Gruppenführer die Rückmeldung zu machen. Zwischenzeitlich hatte der Gruppenführer mehrfach versucht, mit dem Angriffstrupp über Funk Kontakt aufzunehmen. Da keine Verbindung zustandekam, wurde der Sicherungstrupp als zweiter Angriffstrupp mit CRohr losgeschickt. Die Aufgaben des Sicherungstrupps übernahmen Atemschutzgeräteträger des LF 8 und der Freiwilligen Feuerwehr Sulzbach. Somit standen zwei Sicherungstrupps bereit.

Der zurückgehende erste Angriffstrupp und der vorgehende zweite Trupp trafen sich im unteren Treppenabschnitt. Bis zum Treppenabsatz auf halber Höhe konnte man sich ohne Atemschutz aufhalten.

Nach Absprache mit dem Gruppenführer (auf dem Treppenabsatz) erhielt der zweite Trupp den Auftrag, ein Kellerfenster zu öffnen, was von außen nur schwer möglich war (einbruchshemmende Licht-schächte). Sie gingen mit C-Rohr, Fangleine und Sprechfunkgerät in den Fitnessraum auf der linken Seite vor. Über Funk erhielten sie die Information, daß sich ein Kellerfenster hinten rechts im Raum befindet. Zu diesem Zeitpunkt befand sich der Trupp mittig auf der linken Seite im Fitnessraum (vgl. auch Lageskizze).


Grundriß des Kellergeschosses: Angriffswege der beiden Trupps. (Skizze: Verfasser)

Der erste Angriffstrupp drang mit dem S-Rohr erneut in den Fitnessraum vor und orientierte sich rechts in Richtung Sauna. Christian Sendlbeck ging als Truppführer rechts vom Strahlrohr. Als sie sich in Höhe des offenen Durchgangs zum Saunaraum befanden, verstärkte sich das Knistern an der Decke und es wurde unerträglich heiß. Der Truppführer des zweiten Trupps forderte aufgrund der großen Hitze und eines leichten Fauchens zum sofortigen Rückzug auf.

Tödliche Feuerwalze

Unmittelbar danach füllte eine Flammenwand den gesamten Kellerraum. Alle vier Feuerwehr-kameraden standen kurze Zeit vollständig in Flammen. Ob zu diesem Zeitpunkt oder kurz vorher die Trennscheibe von der Sauna zum Fitnessraum zerbrach, konnte später nicht mehr festgestellt werden. Die Feuerwalze schoß aus dem Fitnessraum über die offene Tür in den Treppenraum, überrollte den auf dem Treppenabsatz wartenden Gruppenführer, Kommandanten und stellv. Kdt. und war bis zum Hauseingang sichtbar Es war ca. 18.35 Uhr (also erst ungefähr 15 Minuten nach Eintreffen der Einsatzkräfte).

Die beiden Kameraden des zweiten Trupps fanden den Ausgang nach wenigen Versuchen. Die mitgeführte Fangleine war hierbei jedoch nicht hilfreich, da sie sich irgendwo verklemmt hatte. Die beiden Kameraden des ersten Trupps wurden durch die Flammen voneinander getrennt. Daraufhin mußte Christian Sendlbeck wohl einen Schritt weiter in den Saunaraum gegangen sein.Vermutlich fand er wegen der Duschabtrennung den Ausgang nicht mehr. Der zweite Mann konnte sich mit dem S-Rohr nach draußen retten.

Nach der Rettung der sich auf der Treppe befindlichen Führungskräfte und eines Feuerwehrkameraden aus dem Keller wurde zunächst davon ausgegangen, daß sich noch drei Kameraden im Keller aufhalten müßten. Sofort wurden über Funk Notärzte und Rettungswagen angefordert. Dann stellte sich aber heraus, daß bis auf Christian Sendlbeck alle den Keller verlassen hatten. Unmittelbar nach Abklingen der Stichflamme wurden die beiden Sicherungstrupps -ergänzt mit einem dritten Mann mit Preßluftatmer - zur Suche von Christian eingesetzt. Auch der 2. Mann von Christians Trupp beteiligte sich nach Flaschenwechsel an der Suche. Zu diesem Zeitpunkt war auch der Kellervorraum stark verraucht.

Der erste Rettungstrupp suchte im Vorraum rechtsgehend den Bereich ab. Dabei geriet er auch über die offenstehende Tür in den Heizungsraum. Danach gingen sie in den Fitnessraum und hielten sich auch hier rechts. Im Durchgang zum Saunaraum war die Hitze so stark, daß sich derTrupp dort nicht aufhalten konnte. Deshalb suchte er den Fitnessraum auf der rechten Seite ab. Der zweite Sicherungstrupp suchte den Fitnessraum auf der linken Seite ab. Der Keller war mit schwarzem Rauch bis auf den Boden gefüllt. Eine Orientierung war nicht möglich.

Zwischenzeitlich hatten die Feuerwehrkameraden das Kellerfenster im Saunaraum aufgebrochen und löschten von außen. Aus dem Kellerfenster schlugen ca. 2 m lange Flammen. Dichter, schwarzer Rauch, der auch im Freien stark reizend war, drang aus dem Fenster. Durch die Entrauchungsmöglichkeit über das Fenster konnte dann der erste Rettungstrupp in den Saunaraum vordringen. Er fand den vermißten Christian hinter der Duschwand am Boden liegend. Helm und Maske waren abgenommen.

Auf Zuruf beteiligte sich auch der zweite Rettungstrupp sowie ein zwischenzeitlich eingetroffener Atemschutztrupp aus Tegernheim an der Rettung. Auf halber Kellertreppe wurde ihm der Preßluftatmer abgenommen.

Innerhalb kürzester Zeit standen mehrere lntensivmediziner der Universität und eines privaten Rettungsdienstes zur Verfügung. Der lntensivhubschrauber war bereits sechs Minuten nach der Alarmierung in der Nähe der Einsatzstelle trotz Dunkelheit gelandet Die mit schweren Brandverletzungen am Hals, an den Ohren- und im Unterarmbereich betroffenen Kameraden wurden umgehend mit Rettungswagen in Regensburger Krankenhäuser gebracht.

Vergebliche Hilfe

Christian wurde um ca. 18.50 Uhr den Notärzten übergeben und durch optimale medizinische Betreuung reanimiert. Er wurde nach längerer Behandlung im Intensivhubschrauber in die Universitätsklinik Regensburg geflogen. Trotz aller Bemühungen wurde gegen 20.00 Uhr sein Tod festgestellt Die CO-Vergiftung war zu groß.

Aufgrund der Rückmeldung (nach der Durchzündung) wurden auf Weisung des Kreisbrandrats Waldemar Knott, der über Funk die Meldung mitgehört hatte, die Kräfte der Alarmstufe 2 sowie der Feuerwehrarzt alarmiert. Er selbst fuhr sofort zur Einsatzstelle und kam fast zeitgleich um 18.52 Uhr mit dem Kreisbrandinspektor an. Die Rettungsleitstelle hatte aufgrund der Alarmmeldung neben den Notärzten, Rettungswagen und dem Organisatorischen Leiter auch den seit 1.09.1997 amtierenden Notfallseelsorger alarmiert. Er traf kurze Zeit nach dem Kreisbrandrat an der Einsatzstelle ein. Die Kameraden der benachbarten Feuerwehren aus Neutraubling, Sarching und Tegernheim übernahmen den weiteren Einsatz, so daß die Kräfte aus Donaustauf und Sulzbach abgelöst werden konnten. Im Gerätehaus warteten alle Kameraden auf die Meldung aus dem Krankenhaus. Nachdem Pfarrer Schmid die Todesnachricht überbracht hatte, blieben viele bis gegen 1.00 Uhr im Gerätehaus, um nicht mit derTrauer alleine sein zu müssen. Besonders tragisch war, daß auch die Schwester des verunglückten Kameraden als aktive Feuerwehrdienstleistende an der Einsatzstelle war.

Die Trauerfeier und Beisetzung des Kameraden Christian erfolgte unter großer Anteilnahme der Bevölkerung und aller 177 Feuerwehren des Landkreises und der Stadt Regensburg. Der stv. Vorsitzende des Landesfeuerwehrverbandes, Stadtbrandrat Josef Aschenbrenner, überbrachte die Anteilnahme aller bayerischen Feuerwehren.
 

Anmerkungen des Verfassers:

Die Kriminalpolizei ermittelte nach dem Brand neben der Brandursache auch nach einem eventuellen schuldhaften Fehlverhalten der Führung und der Mannschaft. Zuerst war für uns der Gedanke daran sehr belastend. In guter Zusammenarbeit mit der Polizei konnte ledoch bei den Fsuerwehrkameraden Verständnis für die Arbeit der Kripo geweckt werden.

Belastend waren in den Folgetagen die Diskussionen und Gerüchte in Feuerwehr- und Rettungsdienstkreisen, die von Fehlverhalten, mangelnder Sicherheit, unzureichender Schutzkleidung und von zu langen Suchzeiten sprachen. Wer von diesen Personen war an der Einsaastelle? Wer kann nachvollziehen, unter welchem Zeitdruck die sechs Kameraden, später noch unterstützt von Kräften aus Tegernheim, den Christian im Keller gesucht haben? Die Werwendung von Wärmebildkameras bringt nur dann Vorteile, wenn der Raum ohne Hindernisse und Einbauten ist. Um die Ecke kann man auch hier nicht sehen.

Die Verwendung der Fangleine als Sicherung zusätzlich zum Schlauch ist problematisch, da sie sich in dem Schlauchwirrwarr vor der Eingangstür verhängen kann. Für Suchtrupps ohne Schlauch ist sie jedoch unverzichtbar. Sichergestellt werden muß die Verbindung zwischen den beiden Truppmitgliedern. Die Sicherung der Atemschutzrupps nur mit einem C-Schlauch ist dann nicht mehr gegeben, wenn der Kontakt zum Schlauch verloren geht. Wie stellt man die Verbindung von den Feuerwehrangehörigen mit dem Schlauch sicher?

Bei der Atemschutzausbildung sollte ein Notfalltraining unbedingt berücksichtigt werden. Richtig ist der in Hessen eingeschlagene Weg, die Atemschutzgerätetrager auch heißen Übungen im Brandübungshaus auszusetzen. Wann wird dieses Konzept an den bayerischen Feuerwehrschulen eingesetzt? (Anmerkung der Redaktion: An der Feuerwehrschule Würzburg wird zur Zeit mit dem Bau des ersten Brandübungshauses in Bayern begonnen).

Alle im Brandraum vom Feuer überraschten Kameraden berichteten übereinstimmend, daß in einer solchen Situation mit Todesangst nur ausgiebig trainierte Verhaltensweisen zum Überleben geführt haben. Logisches Denken ist nicht machbar. Selbst beste Technik hätte in diesem Fall nicht geholfen. Sie wiegt im Gegenteil die Atemschutzgerateträger nur in einer Sicherheit, die es bei einem Feuerwehreinsatz einfach nicht gibt.

Nach einem so schweren, belastenden Einsatz müssen alle Feuerwehrkameraden zusammenstehen und mit Unterstützung der Nachbarfeuerwehren wieder zu einem geordneten Ausbildungs- und Einsatzdienst kommen.

Es ist aber sehr schwer


Quelle: brandwacht 1/99

für das Internet bearbeitet von Hanjo v.Wietersheim am 06.04.99.